Familienurlaub – Klappe die erste

Familienurlaub – Klappe die erste

Und auch bei uns war es dieses Jahr schon so weit: Wir waren urlaubsreif! Und zwar alle. Lea, Loki, Mattes und ich. Und nein: Weder Campingurlaub noch Pensionen kamen in Frage. Aber wohin mit Hund und Kind? Na klar: ins Saarland. Gesagt getan: Wohnung gemietet, mit dem Auto Tetris gespielt… Moment, das schreit nach ausführlicher Erörterung des diffizilen Einsatzes fragmentaler Fertigkeiten den 80er Jahre Klassiker betreffend.

De Spectaculis

Dazu nahmen wir: Einen Nissan Note, einen Hund, ein Baby, einen Maxi-Cosi, einen Kinderwagen, einen Beifahrer, einen Fahrer und jede Menge Gepäck: Man hat schließlich eine Tochter, die natürlich ohne ihren gesamten Kleiderschrank und Accessoires für ihre Morgen-, Mittag-, Abend-, Nacht- und Zwischendurch-Toilette droht, der Menschheit ganzen Jammers erbärmlichst zu erlegen. Mädchen eben. Also wird das Familienvehikel mental mit der Aufschrift „Tussi on Tour“ versehen, die nun in Leuchtschrift mit den Aufdrucken „Mum rocks“ und „Zaubererbruder von ASP“ eine alles sagende und viel versprechende Vereinigung eingeht. Die Vorfreude auf hupende Autofahrer der Sorte Mutti-und-Vatti, Sonne-macht-albern und oder Pink-ist-das-neue-Schwarz war uns gewiss. Also auf ans Packen.

Phase 1: Der Kofferrraum

Unter dem eigentlichen Kofferraum befindet sich ein Gepäck-Verlies, das seinerseits noch eine Geheimtür zu Ersatzrädern aufweist. Man stopfe dieses Geheimfach voll mit Mittelalter-Klamotten und Lückenfüllern, die sonst noch so passen. Darauf setze man einen Loki, sprich unseren Teenager-Labrador-Rüden mit mehr Unsinn im Kopf als Martin Rütter je gerade biegen könnte. Kurz: Er strahlt keine Ruhe aus.

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt,
aber bös von Gemüt und sehr unbeständig.
Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.”
(Gylfaginning, 33)

Phase 2: Die Rückbank

Dauerhaft besucht von unserer Tochter in ihrer Sitzkugel, stets begleitet von einem scheelen Pony namens Klipp-Klopp, einem Schnüffeltuch und -ihren guten Freunden- den eigenen Fingern. In ihrem und meinem Rücken -ja das Eheweib war Klischee-(und wer meinen Göttergatten kennt auch platz-)mäßig Beifahrer – befand sich gut gesichert und versteckt das Unterteil des Kinderwagens. Die dazugehörigen Räder tummelten sich im beiwohnenden Fußraum. Neben dem einkugeligen Kinderuniversum thronte hoch oben auf einem Koffer (der natürlich außer einem untergangsszenario-gleichen Vorrat an Schokolade für die Schokoladikerin kaum etwas vorweisen konnte) der Kinderwagenaufsatz samt Notfall-Kit. Damit meine ich Utensilien für ernsthafte -ich setz das Rote-Kreuz-Häubchen auf- Notfälle und solche, die die Gourmeggle-Nase als Notfälle erkennen mag.

Das Szenario auf den Vordersitzen ist nicht näher erläuternswert: Mann lenkt, Frau denkt.

Finale Phase

Sobald das knuddelige kleine Teufelchen in Engelsgewand (obschon ein schwarzer Body mit dem Aufdruck „Rock-Star-Baby“ einem doch eher rebellischen Himmelsbewohner zuzuordnen ist) eingeschlafen ist, macht man sich stante pede auf den Weg, um Hund, Kind, Navi, Hörbücher, etc. in den präparierten Wagen zu verstauen. Man möchte alles schnell hineinwerfen und blitzartig die Türen schließen, so dass nichts mehr herausfällt (so wie es in einem ordentlich geführten Haushalt à la Donna Reed auch verhält). Alles so derartig formschön verpackt und der Farbe des Autos angepasst – Tine Wittler hätte es nicht verschlechtern können – starteten wir in unser Urlaubs-Abenteuerland *dämlichen-PUR-Ohrwurm-aus-dem- Kopf-vertreib*

Endlich am Zielort angelangt , konnten wir eine Selbstabstoßung unserer Leiber aufgrund der nervlichen Dauerbelastung durch Babygequäke der Marke „Ich will ne Schüppe, ich will ein Eis, ich will ne Schüppe, ich will ein Eis“ oder – und da liegt des Pudels Kern – „Sobald ich sprechen kann, gehört die Weltherrschaft mir“ (der geneigte Leser wird glauben, dass wir diese Worte zwischen den Zeilen vernommen haben), einen Hund, der seinem Namen Loki als Teufel der Germanischen Götterwelt alle Ehre macht, sobald er andere Hund auch nur in molekularer Form zu riechen scheint, und mental-vernebelte Mit-Autobahn-Benutzer (oder sollte ich Baustellenumfahrer sagen?!) nur verhindern, indem wir uns dekadent mehrstündig bei einem Italiener unserer Wahl niederließen. Buon Appetito!

Dieses alltagwegwischende Ereignis war glorreich gefolgt vom einträchtigen Beisammensein auf Balkonien, Entspannen auf Terrassien, diversem Geurlaube und einer wunderbaren Woche dessen Krönung in einem Besuch der Mittelalter- und Fantasy-Days in Saarbrücken kulminierte. Wie bereits zu Anfang zaghaft und unscheinbar erwähnt: Mit Hund und Kind und Mittelalterkluft an den heißesten Tagen des Jahres in der heißesten Stadt Deutschlands. Ein apokalyptischer Hitzeschwall als Begrüßungskommitee wurde begleitet von schwül-warmen Schweißschwaden der umherstreifenden Orks in Vollmontur, die ein vorwitziger Schankwirt nur durch ein intravenös in den Pelz eingeführten Wasserschlauch und dessen Benutzung vor dem instantanen Hitzetod retten konnte. Auch wir entgingen nur knapp den Pforten des Hades, indem wir uns mit einer herkömmlichen Sprühflasche über bzw. am Wasser hielten. Sowohl von seiten unseres Hundes, als auch von unserer Tochter, kamen regelmäßig Bestellungen zur Ganzkörperbenetzung, um nicht gänzlich der Vertrocknung zu verfallen. Dank lieber Freunde, die uns in ihrem Stand Obhut gewährten, waren wir nicht gänzlich den beißenden Sonnenstrahlen ausgesetzt, sondern konnten im Windschatten fantastischer Bücher ein wenig Deckung finden. Auch die Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 1000+ machte sich ad hoc aus dem Staub und überließ unsere unbedeckten Hautfetzen sich selbst. Das Schicksal – oder auch Vorab-Information genannt – wollte es so, dass just an dieser Schatten-Oase diverse Lesungen renommierter Autoren stattfanden (abgesehen von der üblichen mittelalterlichen Kinderbespaßung, die auch dieses Mal von Folterung nicht zu unterscheiden war). So gab sich auch der werte Markus – Mahet – Heitz die Ehre, dessen wohl klingende Stimme wohl recht elitär unter den Lesenden zu nennen ist. Auch unser Batch-Baby lauschte höchst andächtig der Stimme des Fantasy-Titanen, was sie spontan für ein eigenes Heitzsches Kinderbuch-Exemplar qualifizierte. Nach einem Sisyphus’schen Signiermarathon fiel der eloquente Wortjongleur seiner eigenen Aussage – leichtsinnig wie ein naives Reh auf weiter Lichtung dem Wolfe – zum Opfer. So ließ er einst verlauten „Ich unterschreibe alles, was man mir hinhält“. Gesagt, getan. Man nehme, ein Baby (wir hatten zufällig eines griffbereit), einen Kajalstift (natürlich schwarz) und einen verwirrten Mahet.
Ergo:

Das ist übrigens die Auflösung zu dem Bild aus der Rubrik „In den Ausschnitt geschaut“. Wie es weiter geht, kann ich hier aus dramaturgischen Gründen nicht verraten…

Eure einzig wahre HüWi

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2 Gedanken zu “Familienurlaub – Klappe die erste

    1. @goldlockengina: Um wie üblich leicht Korinthenkackerisch zu erscheinen, müsste es nicht eigentlich „ward-home“ heißen?
      LG

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